Naturschutzgebiet „Delligser Steinbruch“ – Biotop aus zweiter Hand
Montag, 11.November 2019

Vor Jahrmillionen wurden mächtige Sedimentablagerungen zu Kalkgestein. Im Delligser Steinbruch wurde der besonders reine Kalk des oberen Jura von etwa 1910 bis 1953 abgebaut und unter anderem für Baumaterial und zum Düngen verwendet.

Nach Aufgabe der Abbautätigkeit entwickelte sich im Laufe der folgenden Jahre der Delligser Steinbruch zu einem wertvollen Ersatzlebensraum für eine außergewöhnlich  arten- und individuenreiche Pflanzen und Tierwelt, insbesondere für Lebensgemeinschaften der Kalk-Halbtrockenrasen und Felssteilwände.

Ab 1972 begann die Verfüllung mit Gießerei-Formsanden der ehemaligen Friedrich-Carl-Hütte (FCH) und Glasabfällen der Deutschen Spezialglas AG (heute Schott AG). Die Lebensgemeinschaften drohten, verschüttet zu werden. 1984 wurde die Ausweisung als Naturschutzgebiet beantragt, 1989 wurde die Verfüllung eingestellt und der Delligser Steinbruch als Naturschutzgebiet (NSG) ausgewiesen.

 

Für einige der für Kalk-Halbtrockenrasen typischen Arten ist der Delligser Steinbruch eines der letzten Rückzugsgebiete in Norddeutschland.

 

Die besondere Gefährdung  des Biotops wird durch ein ganzjähriges Betretungsverbot hervorgehoben. Betreten des NSG ist nur mit Genehmigung der Unteren Naturschutzbehörde erlaubt.

 

Die Verordnung kann beim Flecken Delligsen eingesehen werden und im Internet von den Naturschutzseiten des Landkreises Holzminden (Naturschutz, Schutzgebiete und -objekte) oder hier direkt heruntergeladen werden:

 

 

Um diese besonderen Lebensgemeinschaften erhalten und  entwickeln zu können, ist eine regelmäßige Pflege notwendig. Diese Aufgabe übernimmt im Rahmen ihrer Möglichkeiten seit über 30 Jahren die „Biologische Schutzgemeinschaft Lenne-Weser-Leine“ (BSL).

Alle Maßnahmen werden mit der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Holzminden abgesprochen.

 

Gelbbindige Furchenbiene © Helmut Riemann
Gelbbindige Furchenbiene © Helmut Riemann

 

Das große Artensterben findet auch vor unserer Haustüre statt.

Ersatzlebensräume müssen deshalb gesichert und weiterentwickelt werden, um immer seltener werdende und gefährdete Pflanzen- und Tierarten zu bewahren. Zur Pflege dieses Biotops müssen dafür jährlich Laub, Gras und Büsche entfernt werden. Deshalb sind Unterstützer bei der Pflege und Bestandsaufnahmen herzlich willkommen.

 

Auch ohne Vorkenntnisse können interessierte Bürger hier wertvolle Hilfe leisten.

 

Kontakt und weitere Informationen:
Biologische Schutzgemeinschaft Lenne-Weser-Leine e.V. (BSL)
Projekt Delligser Steinbruch
Klaus Wechsler, Große Vieren 18, 28327 Bremen
 
Christian Seeschaaf
Hohe Warte 2
31089 Duingen- Ortsteil Coppengrave
Telefon 05181 82011

 

Einen weiterer Bericht zum Naturschutzgebiet Delligser Steinbruch hier von Herrn Helmut Riemann.